Computerprogramm schützt Fledermäuse vor Windenergieanlagen
Bundesministerium für Umwelt fördert Projekt des Instituts für Umweltplanung mit 400.000 Euro
Regenerative Energien wie Windenergie nehmen an Bedeutung zu. Sie bergen jedoch
auch Gefahren für unterschiedliche Tierarten wie beispielsweise Fledermäuse.
Untersuchungen zeigen, dass Fledermäuse an bestimmten Standorten von
Windenergieanlagen (WEA) besonders gefährdet sind. Prof. Michael Reich vom
Institut für Umweltplanung an der Leibniz Universität Hannover und sein Team
untersuchen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Friedrich-Alexander
Universität Erlangen-Nürnberg die Faktoren, die zum Tod der Tiere führen. Auf
Basis der ermittelten Daten erstellen die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler ein Computerprogramm, das es ermöglicht, einzelne
Windenergieanlagen nach Bedarf an- und abzuschalten. In einem zweiten Schritt,
der vom Bundesministerium für Umwelt mit 400.000 Euro gefördert wird, sind die
Forscherinnen und Forscher nun dabei, an ausgewählten Standorten
Modelluntersuchungen zur Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen mit
den Rotorblättern der WEA durchzuführen.
Jahres- oder Tageszeit, Temperatur, Standort und Wetterbedingungen haben
Auswirkungen auf den Fledermausschlag. Diese Daten werden mithilfe von
akustischen Detektoren im Gondelbereich, an dem die Rotorblätter befestigt sind,
sowie aus der Anzahl der getöteten Tiere an der jeweiligen Anlage gewonnen. Die
Zahlen werden unter Berücksichtigung der äußeren Umstände ins Verhältnis
gesetzt. So kann ermittelt werden, in welchen Bereichen Fledermäuse besonders
gefährdet sind. Um aussagefähige Daten zu ermitteln, wurden deutschlandweit 70
Anlagen untersucht. Nach der Auswertung der Daten soll es möglich sein, WEA in
Zehn-Minuten-Blöcken an- und auszuschalten. So wäre es möglich, auch an
umstrittenen Standorten Windenergieanlagen zu errichten, wirtschaftlich zu
betreiben und Fledermäuse dennoch zu schützen. In besonders gefährlichen Zeiten
für die Tiere könnte die jeweilige Anlage punktgenau abgeschaltet werden. Bei
den Modelluntersuchungen zur Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen
mit Rotorblättern prüfen die Forscherinnen und Forscher, ob das erwartete
Ergebnis, das von ihrem entwickelten Computerprogramm berechnet wurde, mit der
Realität übereinstimmt. Für die Testphase ist ein Jahr angesetzt. Ausführliche
Ergebnisse werden im Sommer 2013 vorliegen. Sollte die Testphase erfolgreich
verlaufen, wird eine breite und rasche praktische Umsetzung erwartet.


