WWF FORDERT VERZICHT AUF STAUDAMMPROJEKT IN LAOS
Wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung warnt der WWF
eindringlich vor den verheerenden Folgen des Baus eines Staudamms am
Mekong.
Der WWF fordert die zuständigen Minister von Laos,
Thailand, Kambodscha und Vietnam auf, die Planungen des laotischen
Wasserkraftprojektes Xayaburi am Mekong zu stoppen. Die Minister
kommen in der kommenden Woche zusammen, um über das Projekt zu
entscheiden. Die bisherigen Planungen wurden von den Anrainerstaaten
im April als völlig unzureichend und unvollständig bewertet,
weswegen sie dem Projekt bisher ihre erforderliche Zustimmung
verweigert und die Entscheidung auf Ministerebene verschoben haben.
Ein nun im Auftrag der laotischen Regierung angefertigtes Gutachten
der finnischen Ingenieursfirma Pöyry bestätigt die Mängel der
bisherigen Planung in Bezug auf die Erfüllung der Anforderungen der
Mekong-Flusskommission (MRC) - spricht sich aber für einen Bau
des Damms aus. Gewarnt wird besonders vor erheblichen Auswirkungen
auf die Umwelt, Biodiversität und die Ernährungssicherheit der
lokalen Bevölkerung in der gesamten Region. Das Papier bestätigt
die Unsicherheiten und erheblichen Schwächen der geplanten
künstlich anzulegenden Passagen für die für den Mekong besonders
wichtigen wandernden Fische sowie der Maßnahmen zur
Sedimentdurchgängigkeit. In seinem technischen Berichtsteil wird
bestätigt, dass mindestens ein Viertel der Kriterien nicht erfüllt
seien. Nichtsdestotrotz kommt die Beratungsfirma zu völlig falschen
Empfehlungen.
"Eine Genehmigung des Projektes wäre ohne jede Übertreibung
eine Katastrophe für den Mekong. Es ist verwunderlich, dass die
sonst renommierte finnische Firma Pöyry einerseits die gravierenden
Mängel bestätigt, und dennoch völlig widersprüchlich den
Baubeginn empfiehlt", sagt Dr. Jian-hua Meng, WWF-Experte für
nachhaltige Wasserkraft. "Das ist ein Lotteriespiel mit der
Lebensgrundlage von über 60 Millionen Menschen. Das
Vorsorgeprinzip wird hier gravierend verletzt und wenn es schief
geht, wird die Regierung von Laos Deutschland und andere Länder um
Unterstützung durch Gelder der Entwicklungszusammenarbeit bitten,
um die von ihnen selbst verursachte Probleme wieder zu
bekämpfen", so Meng.
Der WWF setzt sich für ein allgemeines zehnjähriges Moratorium für
den Bau von Staudämmen am Mekong ein. Erst wenn die jeweiligen zu
erwartenden Auswirkungen umfassend und nach wissenschaftlichen
Standards analysiert seien, könnte unter strengen Auflagen der Bau
einiger Wasserkraftanlagen realisiert werden. Bis dahin müssten
kleinere und umweltschonendere Projekte außerhalb der besonders
sensiblen Gebiete die Energieversorgung sichern, wie es ansatzweise
beim Bau des Staudamms Nam Theun 2 in Laos gelungen ist. Der Mekong
ist mit etwa 4.500 Kilometern Länge der zehntgrößte Fluss der
Welt. Seine Artenvielfalt wird nur vom Amazonas Übertroffen.
Besonders wichtig für die etwa 60 Millionen Menschen dieser Region
ist der Fischreichtum des Flusses, denn er stellt ihre
Haupteiweißquelle dar. Eine der bekanntesten Arten ist der
sagenumwobene Irawadi-Delfin. Nur noch zwischen 80 und 90 Exemplare
werden im Mekong vermutet.


