„Stunde der Wintervögel“ vom 6. bis 8. Januar 2012
Nach Amselsterben: Vogelzählung zwischen Hoffen und Bangen
NABU erwartet neue Erkenntnisse durch bundesweite Zählaktion für Jedermann
Stuttgart – Der NABU ruft vom 6. bis 8. Januar deutschlandweit die „Stunde
der Wintervögel“ aus: Alle Naturfreunde sind aufgerufen, eine Stunde lang
die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu
zählen und für eine zentrale Auswertung zu melden. Der NABU möchte daraus
neue Erkenntnisse über schleichende Veränderungen in der Vogelwelt gewinnen
und entsprechende Schutzstrategien aufbauen.
Mit besonderer Spannung erwartet der NABU in Baden-Württemberg in diesem
Jahr die Zählergebnisse bei den Amseln. Im Sommer 2011 hatte das
afrikanische Usutu-Virus unter den Amseln im Südwesten Deutschlands gewütet.
Betroffen war insbesondere der nördliche Oberrheingraben. „Vogelkundler
gehen davon aus, dass das Virus einige 100.000 Amseln getötet hat. Nach
diesem dramatischen Sommer erhoffen wir uns jetzt Hinweise darauf, wie die
Situation insgesamt ist“, sagt Hannes Huber vom NABU-Landesverband
Baden-Württemberg. Der NABU schwanke zwischen Hoffen und Bangen: Einerseits
sei bekannt, dass sich Amseln unter guten Bedingungen rasch von
Bestandeinbrüchen erholen können und jetzt im Winter auch viele Tiere aus
anderen Regionen einfliegen. Zudem könnten die Vögel binnen weniger Jahre
immun werden gegen das Virus. Andererseits wisse niemand genau, wie viele
Tiere tatsächlich umgekommen sind. „Immerhin: Ich habe im neuen Jahr bereits
einzelne Amseln gesehen. Das macht Mut“, berichtet Huber.
Im Mittelpunkt der Aktion stehen neben der Amsel vor allem weitere vertraute
und häufige Vogelarten wie Kohl- und Blaumeise, Haussperling oder Star. Wo
kommen sie vor? Wo sind sie häufig und wo selten geworden? Wie wirkt sich
der Klimawandel aus? Je mehr Menschen ihre Beobachtungen zusammentragen,
desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. „Ich bitte daher alle Menschen,
am Aktionswochenende bei der Stunde der Wintervögel mitzumachen. Das ist
nicht nur wissenschaftlich für unsere Vogelexperten wertvoll, sondern macht
ganz einfach auch viel Spaß“, sagt Huber.
Bereits bei ihrer ersten Auflage 2011 war die „Stunde der Wintervögel“ mit
85.000 Teilnehmern und rund 2,6 Millionen gemeldeten Vögeln die größte
naturkundliche Mitmachaktion in Deutschland. Eine besondere Qualifikation
außer dem Interesse an der Vogelwelt ist für die Teilnahme nicht
erforderlich. Weitere Infos sowie Porträts der häufigsten Arten stehen
online zur Verfügung. Auch die Auswertung der Meldungen ist im Internet live
zu verfolgen.
Und so wird es gemacht: Von einem ruhigen Plätzchen aus wird von jeder Art
die höchste Zahl notiert, die im Laufe einer Stunde entdeckt werden kann.
Die Beobachtungen können per Post, Telefon (kostenlose Rufnummer am 7. und
8. Januar von 10 bis 18 Uhr geschaltet: 0800-1157-115) oder einfach im
Internet unter www.stundederwintervoegel.de gemeldet werden. Einsendeschluss
ist der 16. Januar 2012. Unter den Teilnehmern werden zahlreiche Preise
verlost.


