„Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt.“
NABU und Öko-Jäger fordern Abschaffung von behördlichen Abschussplänen für
Rehe und zügige Novelle des Landesjagdgesetzes
Stuttgart – „Nicht der Plan einer Behörde, sondern der Wald zeigt, ob die
Jagd stimmt.“ So fasst der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann den
heute (24.1.) im Ministerium für den Ländlichen Raum vorgestellten
Zwischenbericht der Landesregierung zu ihrem Modellprojekt
„Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan“ zusammen. Gemeinsam
mit dem Ökologischen Jagdverband (ÖJV) fordert der NABU, die Abschusspläne
abzuschaffen und das Landesjagdgesetz zügig zu novellieren: „Wir brauchen
ein modernes Jagdgesetz, das dem Natur- und Tierschutz gerecht wird und den
dringend notwendigen Umbau unserer Wälder hin zu klimastabilen
Laubmischwäldern ermöglicht“, sagt Baumann
In ihrem Modellprojekt hat die Landesregierung über fünf Jahre hinweg ein
Verfahren zur effektiveren Bejagung von Rehen getestet. Statt der gängigen
Praxis, den zulässigen Abschuss anhand von willkürlich hergeleiteten Zahlen
in behördlichen Abschussplänen festzulegen, orientiert sich die Bejagung im
Modellprojekt an Zielvereinbarungen zwischen Grundeigentümern und Jägern.
„Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Instrumente der
Vergangenheit haben nicht gewirkt“, befindet auch der ÖJV-Vorsitzende
Christian Kirch. Die Abschaffung der Abschusspläne alleine reiche jedoch
nicht aus, vielmehr müssten klare ökologische und wildbiologische Kriterien
zur Grundlage dieser Zielvereinbarung gemacht werden.
Vielerorts sei der Wildbestand in Baden-Württemberg unnatürlich hoch und es
entstünden große Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, schildert der
gelernte Forstmann. Das sei auch für den Naturschutz problematisch, erklärt
Baumann, denn der selektive Verbiss durch das Reh führe zu einem Verlust der
Baumartenvielfalt im Wald. „Seltenere Baumarten wie Elsbeere, Bergahorn,
Eibe oder Weißtanne sind Leckerbissen für Rehe. Sie haben bei zu hohen
Wildbeständen kaum eine Chance. Doch gerade diese Baumarten brauchen wir, um
unsere Wälder fit für das Klima von Morgen zu machen“, bekräftigt der
NABU-Landechef.
Wie Spechte und Eichhörnchen gehörten Rehe zu einem gesunden Wald dazu,
betont Baumann. Problematisch sei jedoch, dass den Rehen in der heutigen
Kulturlandschaft natürliche Feinde wie Wolf und Luchs fehlten. Zugleich
finde das Wild auf den Feldern ein Überangebot energiereicher Nahrung und
werde von Jägern regelmäßig angefüttert, wodurch es sich rasch vermehre. Der
NABU begrüßt daher eine Jagd, die an ökologischen Kriterien ausgerichtet ist
und den Anforderungen des Natur- und Tierschutzes gerecht wird.


